Beryllian Eisenzorn
Der Fluch der Größe
Wenn Beryllian eine Taverne betritt, müssen die meisten seiner Artgenossen den Kopf in den Nacken legen. Mit stolzen 1,50 Metern überragt er den Durchschnittszwerg. In seiner Heimatstolle wurde oft hinter Bierhumpen getuschelt, seine Mutter müsse wohl einem charmanten menschlichen Barden zu tief in die Augen geschaut haben. Beryllian kennt diese Gerüchte. Sie sind falsch – sein Vater war ein Zwerg, nur eben ein sehr... langgezogener. Dennoch hat Beryllian gelernt, die Witze mit einem gutmütigen Grinsen abzutun, statt die Axt (oder in seinem Fall den Hammer) zu zücken. Seine Größe hat ihm zwar oft blaue Flecken an niedrigen Stollenbalken eingebracht, aber sie gibt ihm auch einen Überblick, den er genießt.
Das dunkle Geheimnis: Das Bhir-Dilemma
Beryllian trägt ein Geheimnis mit sich herum, das schwerer wiegt als sein Hammer und gefährlicher ist als jeder Grubeneinsturz: Er verabscheut den Geschmack von Bhir.
Während seine Kumpanen das dickflüssige, dunkle Gebräu in ehrfürchtigen Zügen genießen und davon in jene heitere, unverwüstliche Stimmung geraten, die Zwergen eigen ist, kämpft Beryllian mit dem puren körperlichen Widerwillen. Für ihn schmeckt das heilige Geschenk nicht nach "Stärke und Erde", sondern nach kaltem Schlamm und bitterer Galle. Dass er davon nicht betrunken wird, macht es fast noch schlimmer, denn er kann sich nicht einmal in einen Rausch flüchten, um den Geschmack zu vergessen.
Tief in seinem Herzen jedoch sehnt er sich nach dem verbotenen, profanen Süßkram der Oberflächenbewohner – nach kühlem, klaren Quellwasser oder dem fruchtigen Beerenwein seiner Mutter, der im Hals nicht kratzt wie flüssiger Schotter. Er fühlt sich oft wie ein Hochstapler im eigenen Volk, weil ihm das, was allen anderen heilig und köstlich ist, einfach nur Übelkeit bereitet.
Eisen, Funken und der Hammer
Ausgebildet von seinem strengen Onkel in der Schmiedekunst, beherrscht Beryllian die Grundlagen, doch für den Titel eines Meisters fehlt ihm noch die "innere Härte", wie sein Onkel immer monierte. Beryllian streichelt das Metall eher in Form, als es zu zwingen. Diese Zuneigung zum Material ändert sich jedoch schlagartig, wenn er das Werkzeug wechselt. Im Kampf ist er kein Zögerer. Er führt seinen Kriegshammer mit einer Begeisterung und Wucht, die man dem freundlichen Gesicht nicht zutraut. Für ihn ist der Kampf kein Hass, sondern ein rhythmischer Tanz aus Kraft und Einschlag – ähnlich dem Schmieden, nur dass das "Werkstück" zurückschlägt.
Das Mysterium der Frauen
Aufgewachsen unter der strengen, aber liebevollen Fuchtel seiner Mutter, hat Beryllian ein völlig idealisiertes Bild des weiblichen Geschlechts. Für ihn sind Frauen – egal ob Zwergin, Mensch oder Elf – höhere Wesen, die man beschützen und bestaunen muss. Er ist kein Schürzenjäger; im Gegenteil, er wird in der Gegenwart einer Dame oft rot und verliert seine Beredsamkeit. Er sucht unbewusst nach der Wärme und Autorität, die er von zu Hause kennt, und ist fasziniert von der Anmut, die er selbst mit seinen riesigen Händen und schweren Stiefeln nie erreichen wird.
Warum er reist
Mit 54 Jahren ist er für zwergische Verhältnisse gerade erst "volljährig". Er ist ausgezogen, um die Welt zu sehen – nicht um sie zu erobern, sondern um sie zu bewundern. Er staunt über Sonnenuntergänge, seltsame Pflanzen und menschliche Architektur. Sein Herz ist offen, was ihn für zwielichtige Gesellen zu einer leichten Beute machen könnte, wäre da nicht sein gewaltiger Hammer und seine imposante Statur.

