Fainche Orlaith ist keine von jenen jungen Frauen, die einen Raum betreten und sich Mühe geben, darin anständig auszusehen. Sie ist alt genug um aufzufallen, drahtig vom Klettern, Laufen und einem Leben, das selten still genug war, um weich zu werden. Ihr kinnlanges rotbraunes Haar steht meist in alle Richtungen, als hätte selbst der Wind irgendwann aufgegeben, Ordnung hineinzubringen. Bernsteinbraune Augen blicken wach und oft ein wenig herausfordernd aus einem sommersprossigen Gesicht, dessen Teint von viel Zeit unter freiem Himmel leicht gebräunt ist.
Meist liegt etwas Spöttisches in ihrem Ausdruck – ein schiefes Grinsen, ein hochgezogener Mundwinkel, jener Blick, der schon einen Kommentar ankündigt, bevor sie überhaupt den Mund aufmacht. Fainche ist impulsiv, eigensinnig und mit Autoritäten ungefähr so verträglich wie ein Stein im Stiefel. Sie testet Grenzen, widerspricht, wenn sie etwas für unsinnig hält, und versteckt Unsicherheit bevorzugt hinter Sarkasmus, Trotz oder einem demonstrativen Schulterzucken.
Dabei täuscht ihre ruppige Art leicht darüber hinweg, wie aufmerksam sie ihre Umgebung und die Menschen darin wahrnimmt. Wem sie vertraut, dem gegenüber ist sie erstaunlich loyal und beschützend. Zugehörigkeit bedeutet ihr mehr, als sie offen eingestehen würde. Wo sie früher eher verschwunden wäre, wenn es unangenehm wurde, bleibt sie heute häufiger stehen – grummelnd, widersprechend und mit der festen Absicht, sich später darüber zu beschweren.
Sie wirkt deshalb selten elegant, aber fast immer lebendig: ein wenig zerzaust, ein wenig unbequem und mit der Haltung eines Menschen, der durchaus gelernt hat, Regeln einzuhalten – nur leider auch sehr genau weiß, wo sie sich verbiegen lassen.
